Relativistische Theodizee

Existiert Gott?» – Diese Frage, die wahrscheinlich so alt ist wie die Menschheit selbst ist, kann mit heutigen kosmologischen Erkenntnissen relativ einfach beantwortet werden. Relativ deswegen, weil zur Klärung die Relativitätstheorie verwendet wird. Allen Gläubigen und Atheisten will ich aber damit den Spaß am Glauben bzw. Leugnen nicht verderben. Untersucht werden soll hier vor allem die Rolle Gottes als Schöpfer der uns bekannten Welt, so wie sie von der Kirche definiert ist.

Ausgangspunkt der Argumentation ist die Ansicht der Kirche, dass das heutige Universum aus einem Urknall entstanden ist und sich seitdem fortwährend ausdehnt. Dies wurde von dem Physiker und späteren päpstlichen Prälaten Georges Lemaître postuliert, um die Lehrmeinungen der Kirche – dass es nämlich einen Akt der Schöpfung gegeben hat – und der Wissenschaft in Harmonie zueinander zu bringen. Die später beobachtete und in den 1990er Jahren exakt vermessene kosmische Hintergrundstrahlung bestärkt diese Hypothese. Wir dürfen also mit gutem Grund davon ausgehen, dass es sich tatsächlich so verhält.

Die Ausdehnungsgeschwindigkeit ist am Rande des beobachtbaren Universums gleich der Lichtgeschwindigkeit. Das lässt vermuten, dass sie jenseits dieses so genannten Hubble-Radius noch größer ist. Das ist mit der Relativitätstheorie, der zu Folge Geschwindigkeiten im Raum schneller als das Licht nicht möglich sein sollen, vereinbar: Hier geht es um den Raum selber und es werden keine Informationen übertragen. Zwei beliebige Punkte auf dem Rand dieses Raumes bewegen sich sogar mit dem Quadrat der Lichtgeschwindigkeit voneinander fort.

Nehmen wir also die Hypothese, dass das Universum aus dem Urknall entstanden ist, als wahr an. Lemaître hatte gezeigt, dass sie mit der Relativitätstheorie verträglich ist. Folglich dürfen wir auch annehmen, dass in diesem Universum eine Information nicht schneller als das Licht übertragen werden kann.

Ein Schöpfer hätte sich also spätestens im Moment seiner Schöpfung aus dem gerade entstandenem Universum ausgeschlossen. Denn es gibt keine Möglichkeit mehr für dieses Wesen, in die Geschehnisse einzugreifen, denn für jede Wechselwirkung mit dem Inneren des Universums von ausserhalb wären Interaktionen notwendig, die schneller als das Licht übertragen werden müssen, was wir als unmöglich ausgeschlossen hatten.

Die daraus zu ziehende Konsequenz ist: Selbst wenn der Schöpfer existieren würde, hätte das keinerlei Konsequenzen für uns. Es ist schlicht irrelevant.

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